Weil die besten immer zu früh gehen…

Ich habe lange überlegt darüber zu bloggen. Schließlich kam ich zu dem Entschluss, das ich auch diesen Teil meines Lebens auf meinem Blog teilen will. Denn ich bin stolz und das soll jeder merken!

Mit diesem Eintrag möchte ich euch den liebevollsten Menschen vorstellen, den ich jemals kennen lernen durfte. Nämlich meine Mutter.
Meine Mutter starb bereits als ich 9 Jahre alt. Und seit dem vermisse ich sie jeden Tag, an schlimmen Tagen übermannt mich diese Trauer und ich habe das Gefühl, dass mein Herz gleich aussetzt und jedes bisschen Luft aus meinen Lungen gedrückt wird – Atem wird zur Qual. Es ist ein schlimmes Gefühl zu wissen, dass sie nie wieder da sein wird. Ich habe lange gebraucht um dies zu begreifen, aber als ich das tat, da brauch es mir schlicht und einfach das Herz. Und damit kann ich heute noch nicht richtig umgehen.Ich meine: Wie geht man damit um, das ein Teil von einem selbst fehlt? Nicht da ist und nie wieder zurück kommt?

Obwohl ich schon 9 Jahre alt war, habe ich nicht viele Erinnerungen an sie. Ihre Stimme habe ich schon längst vergessen – so traurig das auch ist. Jede Erinnerung die ich an sie habe, halte ich in Ehren- Ich pflege sie, damit ich sie niemals vergesse. Denn sobald man einen Menschen vergisst ist er nämlich wirklich tot. Ein paar diese Erinnerungen möchte ich nun mit euch teilen und diesmal ist es mir nur allzu Recht dass das Internet niemals vergisst.
Meine Mutter war für mich die beste Mutter auf der ganzen Welt, sie liebte mich und meine Schwester über alles. Sie ließ es uns jeden Tag spüren. Bereits am Morgen merkten wir es: Jeden Morgen kam sie leise in unser Zimmer geschlichen, streichelte mir über die Wange und gab mir einen Kuss auf die Stirn und sagte dann: „Guten Morgen, meine Prinzessen (Meine Schwester war ihr Engel). Zeit zum aufstehen. Möchtest du zum Frühstück einen Kakao?“ Seit dem sie nicht mehr da ist, wurde ich nie mehr durch das Streicheln meiner Wange geweckt. Mein Vater hat es zwar versucht, aber er macht die Tür einfach immer zu laut auf und ich bin schon vorher wach (oder meine Ohren wurden besser, wer weiß das schon so genau). Wenn ich dann wach war, drückte sie meine Hand und ging meine Schwester wecken.
Nachdem wir dann fertig für die Schule waren, bekamen wir zum Abschied jedes Mal einen Kuss und sie sagte: „Ich wünsche euch einen schönen Tag in der Schule!“ Als ich in der ersten Klasse war, brachte meine Mutter mich sogar immer zur Schule, obwohl diese nur 4 Bushaltestellen entfernt war.
Jeden Tag nach der Schule machte sie mit uns Hausaufgaben. Sie gab sich sehr mühe dabei und half mir so meine (total beschissene) Rechtschreibung zu Verbessern. Mit Mathe hielten wir uns einen Nachmittag einmal fast 3 Stunden auf. Sie wollte mich nicht qäulen, sie wollte nur das ich mit komme, es verstehe und somit gute Noten habe.  Egal wie lange ich für etwas brauchte, sie saß bei mir und half mir. Niemand hat seit dem, gerade beim Thema Mathe, so an mich geglaubt.
Eine der coolsten Erinnerungen die ich an sie habe ist folgende:
In der dritten Klasse wurde ich von einer Clique aus mehreren ältere Jungen geärgert (heute würde man wohl gemobbt sagen). In jeder Pause warteten sie auf mich um mich mit neuen Schimpfwörtern zu belegen. Die Feststellung, dass ich dick war, war dabei noch das nettest.  Hin und wieder stellten sie mir auch ein Bein oder Spuckten mich an. Das ging sicher ein halbes Jahr so. Ich wollte es nicht schlimmer machen in dem ich was sagte, also ging es so lange. Als diese Clique dann anfing mich auch nach der Schule, auf dem Weg zum Bus, zu beschimpfen, zu bespucken oder (wie an dem letzten Tag) ins Gesicht zu schlagen, kam ich heulend nach Hause. Meine Mutter ließ alles stehen und nahm mich sofort in den Arm, setzte mich auf das Sofa und hielt mich einfach nur im Arm. Sie wartete bis ich mich beruhig hatte und fragte mich dann.  Ich erzählte ihr alles und sie meinte nur, sie kümmere sich darum. Am nächsten Tag wäre alles anders. Ich wusste nicht was sie damit meinte, glaubte ihr aber sofort (Mama hat ja immer Recht). Am nächsten Tag änderte sich in der Pause noch nichts, aber nach Schulschluss. Ich ging gerade ein paar Meter, da kam die Clique an und noch bevor sie etwas sagen konnte, kam meine Mutter hinter einem Baum hervor und rannte zu mir. Sie hatte eine große Handtasche dabei und stellte ich vor mich. Obwohl sie nur 1.68 cm war, baute sie sich vor den Jungs auf und meckerte sie in Grund und Boden. Ich weiß nicht mehr was sie genau sagte, aber der letzte Satz war: “ Wenn ihr meine Prinzessin nicht in Ruhe lasst, dann schick ich euch ihren Vater auf den Hals, der verkloppt euch dann!“ Bester Satz überhaupt!  Danach war Ruhe. Aber meine Mutter holte mich noch ca. 2 Monate jeden Tag von der Schule ab – man wollte ja ganz sicher gehen!

Sie tat alles für mich und meine Schwester. Wir waren ihrer Schätze und wurden jeden Abend ins Bett gebracht. Sie las und jeden Abend eine Geschichte vor, ich liebte ihre Stimme. Sie konnte einfach vorlesen. Sie verstellte für jeden Charakter ein bisschen die Stimme. Und falls wir dann immer noch nicht Müde genug waren, sang sie uns noch ein Gute-Nacht-Lied vor.  Seit dem sang mir keiner mehr etwas vor.
Meine Mutter rauchte. Jedes mal wenn mit ihr kuschelte und sie mir mit der Hand über das Gesicht streichelte, konnte ich den Rauch riechen. Bis heute muss ich bei nach Tabak riechenden Händen an sie denken und daran wie wohl und gut ich mich in ihren Armen gefühlt habe. Dürfte ich zu einem Moment in meinem Leben zurück, es wäre ein solcher Moment mit meiner Mutter.

Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht wie ich diesen Post jetzt beenden soll. Aber da auch ihr Tod dazu gehört, wollte ich darüber auch noch mal etwas schreiben. Nur kurz.  Sie starb nachdem sie schon zwei Wochen im Krankenhaus war, ich war 9 Jahre alt und durfte nicht einmal mit in die Klinik. Das war schlimm. Ich hätte sie gerne noch einmal gesehen. Ihrer Hand gehalten und ihr gesagt wie sehr ich sie liebte.  Ich meine, ich dachte damals nicht das sie sterben würde, aber dennoch hätte ich ihr das gerne gesagt. Ich konnte nicht. Ich habe es ihr in einem Brief geschrieben, der mit ihr unter der Erde liegt.
Ich weiß noch, dass als sie beerdigt wurde, ich dachte das sie unmöglich in diesem Sarg liegen konnte. Sie gehörte doch zu mir! Sie musste doch meinen Vater trösten. Ich wusste einfach nicht, dass sie das nie wieder machen würde….

Ich werde ewig an sie denken und jeden der sie nicht kennen lernen durfte, erzählen was für einen tollen Menschen sie verpasst haben (so wie euch jetzt). Ich liebe sie unglaublich und es wird auf Ewig ein Teil von mir fehlen.  Ich bin stolz ihrer Tochter zu sein!

mooj

 

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