Im Moment geht mir viel in meinem Kopf herum. Unter anderem die Tatsache, wie ich meinen Freunden und meiner Familie besser erklären kann was die Depression mit mir macht. Natürlich merken sie es auch ein wenig im meinem Verhalten, aber wie jeder neige ich dazu zu schauspielern, wenn es ganz schlimm ist oder (was häufiger vorkommt) ich ziehe mich komplett zurück und antworte höchstens noch bei Whatsapp und da auch nicht jedem.
Im weitern möchte ich einen Versuch unternehmen meine Depressionen und die Auswirkungen auf mich und mein soziales Umfeld zu beschreiben.

Es ist nicht so wie mit anderen Krankheiten. Nicht wie bei einem Schnupfen wo du schon am Tag vorher merkst: „Oh morgen wird das wohl nichts mehr“. Im Gegenteil, wenn du noch nie Depressionen oder eine andere psychische Erkrankung hattest, merkst du es erst dann wenn es zu spät ist.
Na gut nicht zu spät, aber du steckst eben schon mittendrin. Du bist schon länger krank, als wie du dich krank meldest oder dir Hilfe suchst. In meinem Fall würde ich sagen das ich seit etwa 4 -5 Jahren leicht depressiv gewesen bin. Es kam immer mal wieder und ging und ich hielt es für ganz normale Stimmungsschwankungen. Das dachte ich auch bis ich dann in die Klinik ging. Dort wurde ich dann mal ein bisschen aufgeklärt von den Ärzten und von mir selber, aber ich schweife ab.
Ich habe meine mittel-gradige Depression lange versucht zu verbergen und zu verstecken, dass ist mir mittlerweile sehr bewusst geworden. Es fing auch alles eher klein an, nichts dramatisches. Rückblickend war es ungefähr so:
In der neuen Wohnung angekommen, dekorierte ich sie mir nett und erstelle Putz und Aufräumpläne für mich selber. Diese konnte ich während des Urlaubs oder generell wenn ich freie Zeit hatte auch super meistern. Ich schlief dann auch etwas länger und ich fühlte mich ganz gut.  Und es fing halt an, dass ich während der Woche den Putzplan irgendwann einfach aufgab. Von einem auf den anderen Tag, weil es mir zu viel wurde. Ich verschob alles auf das Wochenende. An sich keine dramatische oder schlimme Entscheidung. Doch am Wochenende traf ich mich auch oft mit Freunden. Also wurde nur jedes zweite Wochenende irgendwann mal geputzt oder die Wäsche gewaschen, mich alleine stört es ja nicht. Wenn ich jemand einlud, dann sicher eine Woche vorher, damit ich noch genug Zeit hatte alles zu putzen.
Nach dem das Putzen nun immer weiter in den Hintergrund meiner Aktivitäten trat, merkte ich auch gleichzeitig, dass ich trotzdem viel erschöpfter und kaputter war als sonst nach der Arbeit. Ich kam von der Arbeit nach Hause, machte noch etwas zu essen und fiel dann in mein Bett. Zwischen 18 – 20 Uhr schlief ich dann meist ein bisschen, dann ging ich zur Toilette und  schaute fernsehen oder machte etwas im Internet. So verschob sich langsam aber sicher und vor allem stätig mein Schlafrhythmus. Zur Zeit ist es so, dass ich selten vor 2 -3 Uhr nachts einschlafe (und nein ich schlafe NICHT am Tag. also nicht mehr).
Nach dem sich nun zwei Punkte in meinem Leben verschoben hatten (so über 3 Monate hinweg), habe ich mir das selber noch damit begründetet meine Freiheit zu genießen. Ich war ja von zu hause ausgezogen und nun ganz frei , konnte also machen was ich wollte. Auch wenn es in Wahrheit eine Art „Vorstufe“ meiner Depression war.

Ich denke bis hierhin ist das für die meisten noch relativ gut nachzuvollziehen. Jeder ist mal müde, jeder hat mal keine Lust zum aufräumen, jeder schiebt mal etwas auf. So weit so gut. Das ist denke ich auch der Grund warum mir nichts auffiel. Das hat ja jeder mal. Alles halb so wild.
Meine Freunde und meine Familie bestätigten mir das ja auch in Gesprächen. Kennt jeder, nicht weiter schlimm. Und das ich anfing auch so zu denken, ließ es überhaupt so weit kommen, dass ich lange Zeit krank war/bin. Ich würde nämlich sagen ich holte mir etwas zu spät Hilfe, wenn auch das zweite noch genau rechtzeitig damit ich das hier überhaupt schreiben kann. Aber merkt ihr was? Ich schweife schon wieder leicht ab, denn wenn ihr das alles kennt – warum bin ich dann krank und ihr nicht?

Weil es natürlich noch weiter gegangen ist. Das war ja erst der Anfang ( und oh shit schon so einen Text 😀 )
Rückblickend (und das ist wirklich wichtig, erst im Rückblick kann ich diese Zusammenhänge erstellen, also immer im Hinterkopf behalten!) war der Anfang vom Ende das ich aufgehört habe Dinge zu tun die ich wirklich mag und die mir Freunde bereiten haben. Ich schrieb nicht mehr, weder Blog noch Geschichten. Ich machte keine bzw. kaum noch Fotos. Kochen und backen konnte ich da schon lange nicht mehr, denn wer nicht spült hat auch irgendwann kein Geschirr mehr.
Freunde habe ich auch immer weniger getroffen, irgendwann nur noch zwei, weil die mich auch verstanden haben was die Depression angeht. Und auch die mussten mich manchmal aus dem Bett ziehen – nur sprichwörtlich.
Zusammenfassend kann man also sagen: Ich habe nichts mehr gemacht, außer zu arbeiten und zu schlafen und nach Arschtritten zwei Freunde zu treffen. Super spannend. Was ich zu der Zeit aber noch gar nicht bemerkt (stellt euch vor die Punkte oben habe ich bemerkt, sie kümmerten mich nur nicht mehr) waren die negativen Gedanken. Die kreisenden Gedankengänge immer um die gleichen Themen.
Die Themen war auch nicht sehr umfangreich: Ich dachte daran die Arbeit zu beenden und habe immer neue Wege dafür gesucht, aber nur theoretisch, denn Bewerbungen schreiben kannst du nicht wenn du richtig tief in deiner Antriebslosigkeit drin bist!
Dann habe ich immer wieder gedacht: Warum bin ich mit 25 immer noch Single? Warum will keiner was von mir? Was ist so falsch an mir?  Und ich fing an meinen Körper zu hassen, richtig tiefgehender Hass. Und das schlimmste: Ich glaubte mir und es fiel mir leicht das zu glauben, denn ich konnte mich selber noch nie lieben, dafür störte mich das Übergewicht schon immer zu sehr. Der Höhepunkt dieses Hasses, waren dann Fressanfälle mit allem was mir zwischen die Finger kam – meistens Süßigkeiten aller Art. Oder ich konnte halt abends mal drei Fertiggerichte anstatt nur eins, war dann halt so und merkt ja keiner (nein nein man nimmt ja nicht irgendwann zu …. doofes Gehirn!).
Und eines Abends traf alles auf einander und ich bin zusammengebrochen, darüber habe ich euch ja schon geschrieben. Dann ging es langsam bergauf – bis es wieder bergab ging. Aber wie ist es jetzt?

Jetzt ist es … schwer zu beschreiben. Ich merke oft diese Antriebslosigkeit, öfter als mir lieb ist. Vieles schaffe ich nur mit (positiven) Druck meines Vaters (ich möchte ja das er stolz auf mich sein kann und das ich nicht den ganzen Tag zu hause gammel). Einiges ignoriere ich nach allen Kräften (wie die alte Wohnung und die Tatsache da noch einmal hin zu müssen).
Meine Tabletten nehme ich regelmäßig, ich dusche wieder regelmäßig, ich wasche und pflege mein Gesicht wieder regelmäßig, ich rasiere mich regelmäßig und ich schminke mich wieder – das, meine lieben, sind die größten Erfolge die ich in den letzen zwei Monaten erbracht habe. Ach und die Tatsache das ich noch lebe. Ihr merkt – hier ist der Erfolg zu hause!
Was mich neben der Antriebslosigkeit für so ziemlich die meisten Dinge, noch beeinflusst ist eine Art „Angststörung“. Ich kann nicht mal genau sagen, seit wann das so ist. Aber seit der Klinik ist es ironischer weise etwas schlechter geworden.
Jeder hat vor irgendetwas Angst oder es ist im unangenehmem. Bei mir war das schon immer : Körperkontakt zu fremden, Telefonieren zu müssen,Nachts alleine unterwegs sein, Autounfälle zu haben, etwas für alle sehr offensichtlich nicht hinzubekommen (Ironie das ich das hier schreibe, ich weiß). Diese Dinge sind immer noch da, aber schlimmer. Zusätzlich habe ich Angst vor der alten Wohnung. Na ja eher vor der Nachbarin im Haus, die Frau T.
Eine ältere Dame aka eine Hexe könnte man auch sagen. Sie beobachtet dich und nein das habe ich mir nicht eingebildet das hat meine beste Freundin nämlich bemerkt und nicht ich! Sie ist total abwerten mir gegenüber. So Sätze wie „sie müssen auch draußen ordentlich fegen, sonst bringt das alles nichts“ oder „na ist es schön warm in ihrer Wohnung?“ (wohnte im Dachgeschoss, du Arschgeige!) Dann drohte sie mir öfter, dass sie meinem Vermieter meldet, dass ich nicht richtig die Hausflurwoche erledige ( ja nein ich war/bin nicht krank!). Auch gut ist folgendes: Sie ist Rentnerin und fast immer zu Hause … und wann bringt sie ihren Müll raus? Richtig wenn ich runter gehe zum Auto.
Ich begann zu höchst Zeiten damit mich aus meiner eigenen Wohnung zu schleichen …. !!!!! Okay genug ausgekotzt…  😀
Also der Punkt ist: Meine Ängste sind größer geworden und beeinträchtigen mich immer mehr in meinem Leben. Oft habe Anzeichen einer Angstattacke. Also Herz rasen, Schwindel, Atemnot und das dann ganz plötzlich und ohne ein Warnung. Das verrückte aber ist: Es passiert nicht immer.
Gut das ich jetzt eine Therapeutin habe mit der ich solche, für den normalen Menschen, rechte strange Dinge besprechen kann. Aber erst ein mal wird an meiner Vergangenheit gearbeitet…  jay ich freue mich!

So und nun ist Schluss für heute!
Und ja das wird hier jetzt ein Blog wo es häufiger darum geht „einen an der Waffel zu haben“ 😛

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