Ich weiß mein Blog ist öffentlich.
Ich weiß auch das eine Kollegin von mir diesem Blog folgt.
Ich weiß auch, dass es im Internet bleibt wenn es mal da ist.
ABER ich muss das aufschreiben, es raus lassen und mich mitteilen. Es ist wie ein Tagebuch, wie Therapie. Es hilft mir einfach.

Worum geht es?
Es geht um das Thema Arbeit.
Ich bin von Beruf Erzieherin. Ich arbeite mit Kindern von 2 bis 6 Jahre. Ich habe seit ich 16 bin beruflich dahingearbeitet. Habe zwei Ausbildungen in diesem Bereich gemacht und ein geniales Anerkennungsjahr hinter mich gebracht.
Tatsächlich nahm ich lange an, dass Erzieherin mein absoluter Traumberuf ist. Ich gebe zu: Ich liebe Kinder und entdecke gerne mit ihnen zusammen die Welt. Es ist ein spannender, abwechslungsreicher und anstrengender Job. Und gleichzeitig ist es einer der schönsten Beruf die ich mir vorstellen kann. Aber ob es noch mein Traumberuf ist? Das weiß ich einfach nicht mehr.
Seit die Depression ausgebrochen ist und ich in der zweiten Krise war, bin ich mir nicht mehr sicher. Ich merke das ich nicht mehr so belastbar und geduldig bin – wichtige Eigenschaften für diesen Beruf wie ich finde. Ich weiß auch nicht ob das wiederkommt oder für immer gegangen ist. Menschen sind nach einer Depressionen nicht mehr die gleichen.

An und für sich würde ich gerne zurück in den Beruf, allerdings liegt da dann der nächste Stolperstein.
Ich und meine Arbeitsstelle passen nicht wirklich zusammen. Ich bin bei einem Träger, dessen Ideen ich nicht vollkommen zustimme. Am Anfang dachte ich nicht, dass dieser Punkt meine Arbeit beeinflussen würde. Würde es vielleicht auch nicht, wenn meine Einrichtung nicht neu wäre und nach einem neuen Konzept arbeitet.
Neu eröffnet und ein neues Konzept, sind große Stressfaktoren – das ist ganz klar. Dazu noch Streitigkeiten bzw Spannungen im Team und Eltern den auf der einen Seite alles egal ist und auf der anderen Seite Eltern die nur das beste wollen. Wie soll man da durchhalten? Es ist mir ein richtiges Rätsel, das dort noch Menschen arbeiten können. Ich kann es mir absolut nicht vorstellen dort wieder zurück zu kehren. Und das obwohl ich im Moment recht stabil bin und die guten Tage langsam die Überhand übernehmen.

Die Frage ist also: Was nun? Wie geht es weiter?
Ich weiß es einfach nicht. Wirklich ich habe keine Ahnung. Auf der einen Seite denke ich: Ich kann dort nicht arbeiten! Auf der anderen Seite allerdings möchte ich nicht einfach gehen und die Kinder dieses Jahr auch zu Ende begleiten. Allerdings habe ich davon sowieso schon sehr viel verpasst…
Und dann wäre natürlich auch die wesentlich grundlegendere Frage: Möchte ich in diesem Beruf bleiben?
Alt werden in diesem Beruf konnte ich mir eh nicht vorstellen. Schließlich geht der Beruf sehr auf die Knochen und der Körper und die Anforderungen werden immer zwiespältiger. Also einfach was neues machen? Eine neue Ausbildung? Oder einfach Quereinsteigen? Und falls eins von diesen Dingen: In welche Richtung soll es gehen?
Sozial bin ich schon immer gewesen, aber ich denke im sozialen Bereich auch wirklich zu arbeiten geht mir sehr auf die Pysche. Ich mache oft die Probleme andere Menschen zu meinen. Ich bin sehr sensibel und das macht mein Leben schwer. Aber ganz ohne andere Menschen arbeiten? Nur am PC oder nur in einer Lagerhalle? Auch nicht wirklich vorstellbar.
Ich bin gerne kreativ… da gibt es auch ein paar Berufe, allerdings bin ich nicht wirklich gut in dem was ich da mache. Ich kann gut Geschichten schreiben, aber wie wahrscheinlich ist es das man davon leben kann? Diese Frage spielt im kreativen Sektor eh eine große Rolle: Verdient man genug zum leben?
Ich koche auch gerne. Allerdings würde ich nie Fleisch oder Fisch zubereiten und probieren wollen. Bäcker habe ich hospitiert, ich kann mit meinem Übergewicht nicht so lange stehen.
In Mathe war ich nie gut. Meine beste Freundin sagte mir ich sei sowieso zu sensibel für den Einzelhandel. Und wenn ich ihren und den Geschichten meiner Schwester lausche…. dann hat sie ziemlich sicher recht!
Bleibt da überhaupt was übrig? Jetzt mal ehrlich. Ich meine sowas wie Arzt oder Bestatter kann ich auch nicht – zu sensibel. Putzen könnte ich wohl. Das würde gehen, aber davon leben geht auch nur wenn ich gleich eine Firma aufmache UND wenn die dann auch noch gut läuft. Und obwohl ich blogge und schon ein paar Videos bei Youtube habe, möchte ich kein Internet Star sein- berühmt sein ist so ziemlich der größte Mist! Mal ehrlich da geht man doch erst recht kaputt. Vielleicht im Garten? Auf Dauer auch zu körperlich und mit dem Handwerk habe ich es leider nicht so.
Möchte mich nicht jemand dafür bezahlen einfach ich zu sein?
Ich gebe mich auch mit 2.000 Brutto zu frieden 😀

Eine Idee habe ich noch. Eigentlich wollte ich den Post schon beenden, aber dann fiel mir das ein: Ich könnte Bibliothekarin werden. Auch wenn ich dann Angst hätte, arbeitslos zu werden auf Grund der Modernisierung. Aber dieses Risiko gibt es ja nun einmal in jedem Beruf.
Ich bin 25 Jahre alt und fühle mich wieder wie mit 15 als ich so was von Ahnungslos war und total überfordert mit der Suche nach einem Beruf für mich. Hoffentlich verfalle ich nicht alle 10 Jahre in ein solches Dilemma.
Geht es noch wem so?

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