Lebenserwartung und Depressionen

Die Zukunft beschäftigt mich im Moment sehr – wie man hier sicher merkt.
Deswegen kommt jetzt ein Beitrag darüber wie ich mir mein Leben einmal vorgestellt habe und wie ich es mir jetzt vorstelle.
Das erste Mal intensiv mit der Zukunft habe ich mich etwa mit 16 – 17 Jahren beschäftigt. Vermutlich ein ganz normales Verhalten in diesem Alter, denn in der Zeit beendet man normalerweise die Schule und fängt mit der Ausbildung oder dem Studium oder whatever an.
Bevor ich die Gesamtschule beendet habe, war ich total verloren. Es stand nicht fest welchen Abschluss ich bekommen würde, weil ich am Anfang der 10. Klasse noch total faul und uninteressiert war. Okay nicht total, aber doch etwas. So hätten mir meine E – Kurs keinen Realschulabschluss eingebracht. Das wollte ich nicht und fängt mich also rein. Aber durch diese Unsicherheit und dem drohenden Hauptschulabschluss wusste ich nicht was ich machen wollte/sollte/konnte. Das Abitur an dieser Schule zu machen, so wie es meine Freunde vor hatten, schied für mich schon aus bevor ich von meinem beinahe Hauptschulabschluss erfuhr. Ich wollte nicht studieren, also wofür würde ich ein Abitur brauchen?
Allerdings war ich auch ohne Alternative. Ich hatte erst zwei Praktika gemacht. Im Altenheim (sehr grausam) und in der Kita (sogar in der wo ich später mein BP gemacht habe). Von der Arbeitswelt hatte ich so gut wie keine Ahnung. Die Lehrer und die Tests im Internet waren auch keine wirkliche Hilfe. Immer kamen um die 10 -15 Beruf raus für die ich geeignet bin. Ich wollte mir aber ehrlich gesagt nicht so viel Mühe machen und mich auf 15 Berufe bewerben. Also entschied ich mich zur Berufsberatung zu gehen. Der erste zu dem ich ging, war ein grauhaariger Typ von der Agentur für Arbeit. Ich dachte WOW ein Profi der wird mir helfen…. sagen wir es mal so: Er gab sich nicht wirklich Mühe. Er fragte nach meinem möglichen Abschluss und danach wo ich schon gearbeitet habe. Daraus ergab sich der Beruf: Erzieherin. Bzw. der nicht weil man den nicht mit dem Hauptschulabschluss machen kann. Er schlug mir die Ausbildung zur Kinderpflegerin vor, welche man am Berufskollege machen kann.  Da ich nichts zu verlieren hatte bewarb ich mich darauf. Nach Wochen dann kam die Zusage. Allerdings war ich in der zwischen Zeit so verunsichert, dass ich noch einen anderen Typ aufsuchte, der Berufsberatung anbot. Er war etwa Mitte 30 und echt nett und bemüht. Das erste Treffen dauert 30 Minuten und in der Zeit stellt er mir viele fragen und am Ende bekam ich einen Auftrag: Alle Beruf suchen die sich für mich vorstellbar anhörten.  Beim zweiten Treffen haben wir dann aus dem gut 20 Berufen, die ausgesucht die realistisch waren. Das waren immerhin noch 7 Stück. Dann sollte ich anfangen Praktika zu machen in meinen Ferien um zu gucken welcher davon der richtige war. Und genau an der Stelle kam die Zusage für die Berufsschule und ich wählte den leichten Weg.

Ich machte die Ausbildung zur Kinderpflegerin und merkte, dass dies wirklich ein Beruf für mich war. Man begleitet Kinder und hilft ihnen. Man bringt ihnen etwas bei und spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Das gefiel mir gut. Und um diese Zeit herum (etwa nach dem ersten Jahr der Ausbildung), stellte ich mir das Leben in der Arbeitswelt vor.

Damals wusste ich noch nicht, das Kinderpfleger nicht mehr wirklich gesucht werden und Erzieher bevorzugt werden.
Ich malte mir aus, dass ich in etwa einem Jahr fertig ausgelernt sein werde und mir dann eine Stelle suchen kann. Danach würde ich ganz klar ausziehen um endlich meinen eigenen (Frei) Raum zu haben. Eine kleine Wohnung mit Garten  nicht allzuweit weg – das war mein Traum. Ich würde dann täglich frisch kochen, Vorräte selber anlegen, einen kleinen Garten mit Gemüse anlegen, Wege mit dem Fahrrad zurück legen und mich mehr bewegen. Einfach gesünder und bewusster Leben. Ich träumte von großen Reisen mit meinen besten Freunden – mit dem Zug, dem Fahrrad und zu Fuß (damals hatte noch keiner ein Auto). Ich träumte auch von der ein oder anderen großen Reise mit meinen Freunden vielleicht nach London oder so.
So stellte ich mir mein Leben vor. Irgendwann würde dann ein Mann in mein Leben treten und wir würden zusammen in meiner Wohnung wohnen. Kinder stellte ich mir damals auch vor, zwei Stück. Aber sobald die da waren zogen wir in ein Haus – also so wie vermutlich alle Mädels es sich erträumen 😀

Nach der ersten Ausbildung folgte aber keine super Stelle, kein Auszug und auch kein Mann. Ich war dann ein Jahr arbeitslos und machte danach die Erzieherinnen Ausbildung um dann auch noch ein Jahr auf mein Anerkennungsjahr warten zu müssen – nicht perfekt, aber die Zeit wird kommen. Immerhin war ich erst 18 als ich die erste Ausbildung beendete.
Das erste Jahr der Arbeitslosigkeit genoss ich sogar auch irgendwie. Das zweite war schrecklich. Ich wollte an meine Ziele kommen und so ging das nicht.

Während des Anerkennungsjahres griff ich dann den Traum von einer eigenen Wohnung auf und begann zu suchen und die ersten Teile zu kaufen. Es fühlte sich richtig gut an und das beste kam noch: Ich bekam direkt nach dem Anerkennungsjahr eine Stelle! Ich hatte wirklich große Angst in der Zeit, dass ich wieder Arbeitslos werden würde.
Erster richtiger Job, eigene Wohnung und alleine – nicht mein Traum, aber besser als noch zu Hause zu wohnen! Dachte ich jedenfalls. Bis meine Depression ausbrach und mich aus dem Leben und meinen Träumen und Vorstellungen warf. Ab dem Zeitpunkt kämpfte (und kämpfe ich) gegen mich selbst und um jedes Stück Normalität (auch wenn der Begriff weit dehnbar ist). Von der ersten Krise erholte ich mich recht schnell und ging wieder arbeiten und versuchte es noch mal mit dem Leben.
Wie ihr wisst kam dann Krise zwei… die schon etwas anhält. Seit November 2016 bin ich krank geschrieben und war drei Wochen in der Psychiatrie. Wohne seit Januar 2017 wieder bei meinem Vater und versuche wieder zu Kräften zu kommen. Manchmal fühlt es sich so an, als ob der Gedanke sterben zu wollen, meinem Körper alle Kraft genommen hat (vielleicht damit es am Ende schneller geht?).
Viele Menschen, die ich kenne, finden das sie nach der Depression anders sind als vorher. Ich muss zugeben bei mir ist es etwas anders. Zwar habe ich bis jetzt viel über mich selber gelernt und was mir hilft und was nicht, aber ich habe nicht das Gefühl komplett anders zu sein. Viel eher ist es so, dass ich nun wieder langsam ich selber werde. Es ist so als wäre die Depression weit vor der ersten Krise gekommen und hat mich und meine Persönlichkeit ganz ganz langsam und Stück für Stück geändert. Nichts groß, eher sehr kleine Sachen (gehe ich gleich drauf ein). Und nun wo ich gegen die Depression ankämpfe und über sie und mich etwas lerne, fördert dies meine Persönlichkeit zu tage. Man könnte also sagen, dass sie verschüttet war.
Ich weiß nicht ob meine Freunde, Bekannte oder Familie das bestätigen oder dementieren würden, aber für mich fühlt es sich genau so an. Wie gesagt, es sind auch eher kleine Sachen welche aber am Ende das Große Ganze ausmachen. Während der ersten Ausbildung und auch in der Schulzeit davor, war ich ein kleiner Öko. Vegetarierin mit veganen Phasen, Anti Führerschein und Auto. Ich machte mir Gedanken um die Erde und wie ich sie beschützen konnte. Ich überredete meinen Vater Dinge neu zu kaufen, welche Storm oder Wasser sparen konnten. Für jeden Wasserhahn kauften wir Aufsätze welche den Wasserverbrauch senken sollten. Ich führte Klick Stromleisten ein und so weiter. Das machte ich gerne! Ich wollte die Welt retten! Jedenfalls so gut ich konnte.
Ich schrieb auch viele Geschichten, Storylines und Ideen auf. Ganze Welten entstanden in meinem Kopf und irgendwann auch auf Papier. Was ich bildhaft sah versuchte ich zu malen, das andere beschrieb ich so gut ich konnte.
Ich las unglaublich viel. Besuchte regelmäßig die Bibliothek und malte sogar hin und wieder, auch wenn ich das nicht wirklich gut kann! 😀

All das habe ich zum Teil schon Jahre nicht mehr gemacht und bei der ein oder anderen Sache bin ich erstaunt das ich das gemacht und geschafft habe.
Es hörte wie gesagt langsam und schleichend auf bzw begann sich zu verändern. So langsam das ich es jetzt nicht einmal wirklich benennen kann. Aber ich glaube, dass ich nicht mehr in die Bibiliothek ging und allgemein weniger las war so der Anfang. Dann kamen immer weniger Ideen für Geschichten und meine geschriebenen konnte ich nicht beenden. Ich hatte Schreibblockade um Schreibblockade. Obwohl ich sehr gerne schreibe und mir auch einbilde das relativ gut zu können.
Als nächstes folgte aus praktischen Gründen der eigene Führerschein und zwei Jahre später das eigene Auto. Und eigentlich war der Plan es nur zur Schule zu nutzen! Und wie ich gerade alle meine Freunde lachen hören kann bei diesem Satz 😀 Den wer mich kennt weiß: Ich und mein Auto sind überall zusammen und haben schon mehrer 1000 Kilometer zusammen gerissen. Es fühlte sich gut an und machte Spaß und irgendwie war das so ein wenig wie der Anfang vom Ende meiner Öko Bemühungen. Sehr schade. Den aus meinem Interessenslisten ist das Thema nie verschwunden.

Aktuell passiert es mir, dass ich meine alten Interessen wieder entdecke. Oder auch sie mich. Ich habe zuerst das Lesen wieder angefangen, als ich in der Klinik war. Da hatte ich viel Zeit dazu und merkte recht schnell wie sehr es mir selber gefehlt hat. Ich lese jetzt zwar immer noch weniger als vorher, aber das ist okay. Den früher hatte ich weniger Soziales Leben und eben mehr Zeit für Bücher und heute ist es andersherum und ich will nicht meckern!
Seit ich nun bei meinem Vater wohne habe ich das schreiben wieder entdeckt. Nicht nur hier auf dem Blog – nein auch bei Geschichten! Zur Zeit arbeite ich tatsächlich mal wieder an einer Geschichte!  Das ist so unfassbar und war lange Zeit so unvorstellbar für mich selber geworden – umso mehr freue ich mich nun!
Und erst vor einigen Wochen habe ich meinen Aktivismus wieder entdeckt. Diese Welt ist kein so schrecklicher Ort, solange es Menschen gibt die für sie einstehen und das Menschliche schätzen und nicht nur das Geld und die Macht. Ich setzte mich in dem Zusammenhang mit vielen Dingen auseinander wie Foodsharing, Gemüse und Obst Anbau, Feminismus, Sexismus, Rassismus, Politik und dem Wunsch nach einem alternativen Leben.
Durch das beschäftigen mit diesen Themen, habe ich neue bzw andere Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen an mein Leben. Und durch die Depression weiß ich nun einiges mehr über mich selber und darüber wer ich eigentlich bin und was ich in dieser Welt tue bzw tun kann, wenn ich wieder volle Akkus habe.

Die Vorstellung wie ich mein Leben führen will hat sich nicht so sehr gewandelt, aber doch schon erkennbar, wie ich finde. Also schreibe ich dazu auch noch was 😀
Im Moment bin ich mir nicht sicher, ob zu meiner Zukunft eine Wohnung gehören wird. Ich bin wirklich fasziniert von der Idee in einem alten Bauwagen oder in einem Wohnmobil zu leben. Mit dem Bauwagen in einer Wagenburg und mit dem Wohnmobil auf der Straße – on the Road.
Genauso gut kann ich mir allerdings vorstellen in einem kleinen Häuschen im Wald zu wohnen und um das Haus herum einen Bauernhof aufzubauen. Dort dann zu leben und sich selber zu versorgen oder zu mindestens ein gutes Stück weit selber zu versorgen. Man könnte also sagen, ich träume vom aussteigen aus der Gesellschaft.
Ich glaube nämlich schon lange nicht das der Kapitalismus die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ist. Im Gegenteil: Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir damit die Welt zerstören, bevor die Welt uns zerstören kann.
Arbeiten würde ich dennoch. In Teilzeit oder als Aushilfe. Mit weniger Leben und mehr vom Leben haben, klingt das nicht wunderbar?
Na gut vermutlich nicht für jeden. Aber für mich schon. Das wäre so ein kleiner Traum von mir. Richtig aussteigen muss auch nicht sein, aber minimalistischer  werden. Weniger brauchen – mehr machen und mehr leben.

Eigentlich sollte dieser Eintrag meine unterschiedlichen Lebensvorstellungen behandeln. So wie ich mit etwa 17-18 Jahren gedacht habe und so wie ich heute mit 25 Jahren denke. Der Text wurde dann doch etwas ausführlicher, wie ihr sicher gemerkt habt. Aber all das muss von meiner Seele runter um leichter und freier werden zu können.
Danke fürs Lesen! ❤

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