Ich helfe mir selbst!

Bei einer Depression kann man nichts machen? Man muss sie aussitzen? Wird schon vor rüber gehen? Oder lieber gleich alles ändern was einen ankotzt?
Ich habe manchmal das Gefühl, dass dies die einzigen Optionen sind. Jedenfalls wird es mir so signalisiert.
Aber es passiert kein Wunder! Du fängst nicht an Tabletten zu nehmen und bist dann wieder fit und gesund. Die Depression wirft dich aus deinem Leben. In ein zweites Leben, voller Schmerz, Gedanken, Zweifeln, Gelähmtheit und Ängste. Dieses „zweite“ Leben endet nicht einfach eines Tages, weil man lange genug gewartet hat! Vielleicht hilft abwarten für eine kurze Zeit oder bei einzelnen Personen (gerade welche die mit Trauer oder ähnlichem zu kämpfen haben), aber in meinem Fall macht es alles nur noch schlimmer.
Allerdings kämpfe ich jetzt schon fast ein Jahr mit mir und der Depression. Ich habe noch keinen normalen Therapieplatz, ich gehe nach wie vor in die Ambulanz. Aber das ist kein Grund einfach abzuwarten und nicht selber aktiv zu werden! Ich weiß, dass ich mir selber helfen kann und muss! Und ja klar, dass ist wieder so eine Sache die einfach gesagt ist und unendlich schwer umzusetzen – jedenfalls erscheint es mir gelegentlich so. Aber ich weiß nun wie gut es hilft und das es sich lohnt sich selber zu helfen, auch wenn das mit unter auch ein Kampf wird.

Während der Zeit in der Klinik habe ich viel über mich, meine Bedürfnisse, meine Auslöser und auch meine Hilfe(stellungen) gelernt. Ich möchte sie euch einmal kurz zusammen fassen und danach näher drauf eingehen:

  • Regelmäßigkeit bei so ziemlich allem
  • Gesunde Ernährung
  • Bewegung und auch Sport
  • Ausruhen, Entspannen
  • Zeit für mich nehmen
  • Hobbies nachgehen
  • Unternehmungen mit Freunden oder Familie
  • Gefühle wahrnehmen und durchleben

Das sind kurz zusammen gefasst die Dinge die mir helfen. Sie können mich sowohl aus einem Loch ziehen, also auch vor einem Loch bewahren.
Das Thema Regelmäßigkeit erstreckt sich dabei auf so gut wie alle Lebensbereiche. Es fängt morgens damit an das ich jeden Morgen meine Medikamente nehme und danach frühstücke (auch wenn es nur eine Banane ist). Dann mache ich mich fertig, da man sich sauber und angezogen gleich mehr wie ein Mensch aus der Gesellschaft fühlt. Es geht dann damit weiter sich regelmäßig zu bewegen und sei es auch nur das ich die Wohnung sauge und wische oder eine Runde um das Haus gehe – nur nicht den ganzen Tag im Bett liegen! Fänge ich damit einmal an, dreht sich die Spirale rasend schnell und ich habe starke Problem sie wieder zu stoppen.
Nach dem der Vormittag gelaufen ist, ist Zeit für das Mittag essen und danach wird fern gesehen oder ins Netz gegangen. Ein bisschen Ablenkung halt. Oder ich mache was mit meinen Freunden oder meinem Vater – je nach Lust, Zeit der anderen und Tagesform. Dann wird abends ungefähr zu selben Zeit Abendbrot gegessen und danach etwas entspannt mit einer Meditation. Natürlich ist es auch beim schlafen gehen für mich wichtig eine Routine zu haben!
Und wisst ihr was das beste ist? Ich halte mich schon seit ein paar Wochen nicht mehr an alle Punkte, da ich glaube sie nicht zu schaffen. Dadurch geht es mir wirklich wieder etwas schlechter! Genau das ist auch der Grund warum ich darüber schreibe, dieser Text hier soll mich selber motivieren!
Zusammengefasst: Tagesstruktur und Regelmäßigkeit geben Halt und stoppen die Spirale!

Mit dem Punkt der gesunden Ernährung setzte ich mich im Moment etwas wenig auseinander, aber einfach weil ich damit einmal zur Ernährungsberatung gehen möchte und gucken möchte wo die Probleme liegen. Gleichzeitig werde ich noch zum Endokrenologen müssen um meine Hormone untersuchen zu lassen – vielleicht liegt da auch das Problem. Der Weg ist bei diesem Punkt noch weit, aber ich habe Zeit und kann es langsam angehen lassen, da ich mich sonst selber überfordere.
Allerdings gibt es natürlich auch Tage wo ich fast schon gesund esse und an diesen Tagen merke ich auch das es mir gut tut, kann das aber nicht lange aufrecht halten.

Bewegung und Sport sind ebenso wichtig für mein Gleichgewicht.
Dabei geht es im Moment in erster Linie darum sich allgemein zu bewegen, den Körper wieder zu aktivieren, denn immerhin habe ich monatelang so gut wie nichts gemacht! Ich komme noch schnell an meine Grenzen, aber mit jedem Spaziergang rückt diese Grenze etwas weiter weg und das ist ein unglaublich geniales Gefühl. Man entdeckt sich und seinen Körper ganz neu – und das bei alltäglichen Dingen wie dem Einkaufen gehen.
Zur gegebenen Zeit soll und möchte ich auch den Sport wieder in mein Leben lassen. Die Frage WIE? stell ich mir dabei gar nicht. Ich liebe das Fitnesstudio, das Schwimmen und das Wandern und das sind doch schon mal drei gute Dinge! Ach und das Fahrrad natürlich auch! Praktisches kleines Ding, dass mich sehr erfreut!

Beim nächsten Punkt muss ich sagen: Für mich war es neu.
Ich wusste nicht wie sehr ich auf Entspannungsübungen und Mediation oder Traumreisen anspringe. In der Klinik habe ich aber gelernt wie hilfreich und befreiend es sein kann Entspannungsübungen und dergleichen Anzuwenden. Ich nutze sie zwar nicht jeden Tag, aber wenn ich merke das die innere Unruhe größer wird, dann mache ich das sehr gerne. Danach kann ich wesentlich sachlicher denken und auch die Unruhe hat sich zurückgezogen.

Den letzten Punkt habe ich ja schon in einem anderen Post angesprochen: Die Hobbies.
Es ist so ziemlich das erste was deiner Depression zum opfer fällt. Es sind Dinge die Kraft brauchen und dich glücklich machen und das sind Dinge die mit einer Depression nicht vereinbar sind.
Bei mir war es eben sehr schleichend und langsam. Nach und nach ist immer mehr Hobby weg gegangen und ich habe es selten wirklich gemerkt! Das ist das schlimme daran, es fällt dir nicht einmal wirklich auf – bis zum Höhepunkt deiner Krise.
Ich habe das große Glück und die große Freude, dass meine Hobbies zum Teil auch mich einfach wieder finden und wir uns zusammen neu entdecken. Vielleicht kommen bald sogar neue Hobbies dazu – wer weiß 🙂

Der Punkt etwas mit Freunden oder der Familie zu machen ist vermutlich ein alter Hut, aber kann von Zeit zur Zeit auch das schwerste sein.
Wenn es einem seelisch nicht gut geht, zieht der Körper mit und dann wird es schwer. Wie oft war ich krank anstatt etwas zu unternehmen …. man MUSS SICH DAS ERLAUBEN! Dann streikt der Körper auch weniger 😉

Der letzte Punkt, welcher mir hilft mit meiner Situation ist das ausleben und erleben von Gefühlen. Ich habe früher sehr sehr viel einfach hingenommen oder runtergeschluckt, weil ich es anderes für sehr unfreundlich gehalten habe. Das kann einem nicht gut tun. Ich bin also dabei mehr auf mich und meine Gefühle zu hören und diese auch auszuleben. Nein heißt Nein und Ja heiß Ja.
Schlimme Tage sind dabei okay, aber dennoch muss ich irgendwann mein Bett verlassen. Sonst geht es die nächsten Tage, Wochen oder sogar Monate wieder bergab.

Wichtig ist mir auch folgendes: Niemand will depressiv sein. Niemand will den ganzen Tag im Bett bleiben. Niemand ist faul dabei.
Ich bin zwar gerne mal faul, aber es gibt einen RIEßIGEN Unterschied dabei ob ich faul oder depressiv bin – für mich. Für andere Menschen ist es nicht wirklich zu erkennen. Ich liege ja dann nicht weinend und schreiend im Bett wie ein kleines Kind.
Jeder der depressiv ist möchte sich davon befreien, die einen früher, die anderen später. Nicht jeder kann gleich kämpfen, nicht jeder kämpft so wie ich (also mit meinen „Lösungen“), aber NIEMAND WILL DIESEN DRECK HABEN!

ABER: JEDER MUSS IRGENDWANN KÄMPFEN UM EIN „NORMALES“ LEBEN ZU BEKOMMEN!
Und ja ich schreibe extra nicht, dass man zurück in sein altes Leben will… ich meine das hat einen ja erst krank gemacht bzw die Krankheit begünstigt. Man möchte zurück ins Leben, man muss kämpfen.

Ich möchte zurück ins Leben – ich muss darum kämpfen. Mein Gegner ist der härteste überhaupt: Ich selbst. 

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2 Gedanken zu “Ich helfe mir selbst!

  1. Mir hilft es enorm, mir jeden Tag sowohl To-Do-Listen zu machen als auch noch mal „Done“-Listen um mir selbst nicht nur Ziele zu setzen sondern mir vor Augen zu halten, was ich heute alles geschafft habe. Selbst wenn es nicht auf der To-Do-Liste stand und ich es somit nicht abhaken konnte, kann ich mir hinterher trotzdem noch mal vor Augen führen, was ich geschafft habe.
    Ich brauche einfach irgendeine Struktur, eine Aufgabe für den Tag um ihn zu meistern und nicht nur im Bett rumzuliegen und vor mich hin zu vegetieren..

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