Ich war bei meinem behandeln Psychologen und auf die Frage: Wie geht es ihnen? Antwortete ich mir: Gut, noch etwas kraftlos aber ich denke wieder positiv und an meine Zukunft.
Hat uns natürlich beide gefreut. Mir ging es auch wirklich gut. Soweit es einem halt gut geht, wenn man nicht weiß was kommt. Sekunden später wurde meine gute Laune rasend schnell abgelöst. Der Arzt fragte mich: Wie sieht es mit der Wiederkehr in den Beruf aus? Ich war erstaunt, dass hatte ich nicht erwartet, jetzt jeden Falls noch nicht. Klar würde ich gerne arbeiten. Das antwortet ich auch. Und Stück für Stück wie bei einer Wiedereingliederung klingt auch erst mal gut.
Aber es gibt da ein aber. Letzten Sommer hatte ich bereits eine solche Maßnahme. Habe mich recht optimistisch in den Beruf begeben, klein angefangen und bin zum Schluss wieder ganz drin gewesen. Es wurden Vereinbarungen getroffen um mich stabil zu halten und nach einigen Wochen begann das neue Kita Jahr. Ich durfte wieder in meine alte Gruppe, in der mich immer am wohlsten fühlte. Ich wurde ein paar mal krank und nach meinem letzten Urlaub kam ich in die Kita und alles war wieder wie vor der Depression und rasend schnell drehte sich die Spirale wieder nach unten. Sie endet bekanntermaßen in der Psychiatrie.

Das scheint alles natürlich schon sehr weit weg und man kann damals und heute nicht eins zu eins vergleichen, da sich viel geändert hat auf mehreren Ebenen. Dennoch bin ich mir nicht sicher wie es weiter geht.
Klar ich schreibe Bewerbungen. Mein Arzt hat mir das Versprechen geben mir ein Artest zu schreiben, sollte ich nicht mehr in meiner Einrichtung arbeiten können, selber nach einer erneuten Wiedereingliederung. Und ja ich bin positiv und optimistisch gestimmt im Grunde.
Aber fast genauso weit war ich im letzten Jahr auch schon. Ich hatte sogar Vorstellungsgespräche. Ich sah positiv in die Zukunft. Wollte kämpfen und nicht aufgeben und dennoch: Ich wurde richtig schön gefickt.  Und jetzt mal ehrlich? Den Scheiß will ich mir nicht noch mal geben!! Warum soll ich meine eigene Gesundheit riskieren? Nur weil die Krankenkasse ständig fragt wie es mir geht? Weil sie lieber Geld bekommen als auszahlen?
Ich versuche wirklich mich mit dem Gedanken daran wieder zu arbeiten und auch dort zu arbeiten anzufreunden. Ich weiß auch, dass nicht alles an der Arbeit oder bestimmten Menschen liegt. Ich weiß, dass ich nicht rumheulen muss das die Welt ungerecht ist. Das wäre kindisch. Aber was ist wenn es zuviel Ungerechtigkeit war? So viel das ich darunter gebrochen bin? Genau so fühlt es sich nämlich an. Und wird das Enden? Wird ein deutlicheres Nein etwas verändern? Ich habe Angst. Ich habe eine Scheiß Angst davor wieder dort hinzugehen. Ich war da, nur am Briefkasten und mein Puls schlug wie wild, mir wurde heiß und kalt und schwindelig. UND DAS NUR AM BESCHISSEN BRIEFKASTEN! Das ist doch nicht normal…

Richtig schlimm ist es auch, dass ich nun Schuldgefühle habe, weil ich den Erwartungen der Krankenkasse, des Arztes und meiner Arbeitsstelle nicht entspreche. Ich kann noch nicht mal sagen, ob ich je wieder diesen Erwartungen entsprechen kann.
Ich bin kaputt. Mit 25 Jahren kaputt. Sollte jetzt nicht eigentlich meine beste Zeit kommen? Und nein ich brauche keinen Roadtrip durch Amerika, ewiges Reisen oder viel Geld für meine besten Jahre. Ich brauche eine Arbeit die mich glücklich macht, Freunde mit denen ich etwas erleben kann und eine Familie die zu mir steht. Natürlich auch etwas Geld fürs Leben – hier und da mal ein Urlaub ist doch was schönes! Das meiste davon habe ich … nur beruflich habe ich keine Ahnung. Ich weiß gar nichts dazu und fühle nur eine menge Angst und Schuld was das Thema angeht.
Wie kann es nur sein, dass man glaubt seinen Traumjob zu haben und nach einem Jahr in diesem nicht mehr weiß was man will und wie es weiter geht? Alternativen gibt es ja einige, Umschulung oder eine neue Ausbildung oder einfach quer irgendwo einsteigen.
Richtig dämlich und bescheuert ist es obendrein noch zu denken: Löse ich dieses Problem geht es mir gut. NEIN VERDAMMT! Mein Problem, meine Krankheit hängen nicht nur an der Arbeit. Sie triggert mich ja, aber sie ist keine Ursache dafür. Ein Auslöser ja, aber keine Ursache.
Die Ursachen dafür wie ich bin liegen in meiner Kindheit. Ich habe sowas wie Selbstschutz nicht wirklich gelernt und wollte und will es immer noch den anderen Menschen recht machen und möchte nicht das sie sich doof fühlen. Ich finde es wichtig sich um andere zu sorgen. Ich finde es wichtig das man freundlich und hilfsbereit zueinander ist. Mit Ellenbogen kann ich nichts anfangen. Ich bin sehr empathisch. So empathisch und hilfsbereit, dass man mich schon öfter ausgenutzt hat. War nicht schön, aber bis ich das merkte, war die Situation schon lange vorbei und jeder Widerstand erschien sinnlos. So habe ich als Teenie zwar als Emo rebelliert, aber so klein und unscheinbar wie es gleichzeitig ging. Ich habe auch nicht wirklich gelernt, dass man um Hilfe fragen und auch annehmen kann ohne das man sich schuldig oder schlecht fühlen muss. Also jeder andere kann das ruhig machen, aber ich habe immer das Gefühl das mir die Hilfe eh nicht zusteht. Das ich nicht krank, nicht schön oder nicht schlau genug bin damit man mir hilft.  Dazu kommt dann noch ein eher weniger ausgeprägtes Selbstbewusstsein und Selbstwergefühl. Die anderen sind wichtiger, ich bin eh nur höchstens Mittelmaß.  Und ja das ist schwer so zu denken und zu fühlen.
Und ich schweife ab. Aber das musste auch mal sein. Schlussendlich: Ich habe keine Ahnung was ich mache und wie es weiter geht. Aber ich habe ja noch ein paar Tage Zeit um darüber nachzudenken und dann mit meinem Arzt zu sprechen.

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