Körperlich vs Psychisch Krankheit

Mit den Einträgen auf dieser Seite möchte ich ja dafür sorgen, dass Psychische Krankheiten auch wirklich als Krankheit wahrgenommen werden.
Ich weiß sehr gut wie schwer das ist, denn bevor ich krank wurde hatte ich auch Probleme diese Krankheiten zu verstehen.  Leider musste ich erst selber krank werden um es wirklich zu verstehen – das wünsche ich natürlich niemanden. Und trotz dieser Erfahrungen ist es für mich immer noch schwer meine psychische Krankheit genau als das wahrzunehmen, nämlich als eine Krankheit. Kein Schicksal, kein Wunsch. Einfach eine Krankheit die behandelt werden muss. Das ist nicht immer einfach, dauert lange, aber es ist machbar.
Heute ist mir bewusst geworden, wie schwer mich damit tue das auch wirklich wahrzunehmen. Ich bin heute ziemlich erkältet aufgewacht, nachdem ich gestern Abend schon die ersten Anzeichen dafür hatte. Doppelt doof wenn man am Morgen zum Arzt muss. Also früh aufstehen und dann auch noch mit seiner psychischen Erkrankung auseinander setzten – macht schon an und für sich nicht wirklich Spaß. Dröhnt einem dann auch noch der Kopf, die Nasse läuft, der Hals kratzt und es wird gehustet wie sonst was, das ist dann doch ein perfekter Tag, oder?

Wie üblich habe ich nach dem Arztbesuch für Anni (meine beste Freundin) eine Sprachnachricht gemacht um sie zu informieren was der Arzt gesagt hat und wie es weiter geht.
Nachdem ich noch recht sachlich geschildert habe, dass ich ab dem 8.5. wieder probiere Arbeiten zu gehen und noch nicht weiß wie ich das wirklich finde. Und ziemlich zum Abschluss sagte ich dann so was wie: „Ich geh gleich pennen, ich bin krank“.  Und bezog das auf die Erkältung. Natürlich, wieso auch nicht? Ja aber krank geschrieben bin ich seit Ende November 2016. Und ich habe mich sehr oft nicht gut gefühlt, aber krank habe ich damit selten oder nie in Verbindung gebracht. Die Frage: Warum? Was definiert krank sein? Sich schlecht fühlen, kaputt sein und lieben gerne im Bett liegen. Das passt auf beide Krankheiten.  Aber dennoch fällt es mir schwer mich auch mit meiner Depression als krank zu sehen.
Eine Vermutung von mir ist: Die Gesellschaft ist zwar recht offen geworden für psychische Erkrankungen. Ist so weit anerkannt. Fast jeder hatte das schon mal in mehr oder weniger ausgeprägter Form. Mir ist auch niemand begegnetet der mir nicht geglaubt hat – und dennoch nehme ich mich manchmal nicht so ernsthaft krank wahr wie ich bin. Höchst wahrscheinlich, weil in meiner Familie gegenüber dieser Art von Erkrankung eher Unwissenheit und Ahnungslosigkeit herrschte und das Thema jahrelang nicht aufkam, da (zum Glück) niemand erkrankte. Vor vier Jahren erkrankte meine Tante dann an Depressionen und in meiner Familie wurde ich erstmalig mit dem Thema beschäftigt. Mein Vater nahm das ganze nicht so ernst wie andere und werte die Erkrankung auch etwas ab. Für ihn war es nicht logisch an einer Depression zu erkranken. Entweder macht man Randale, man änderte etwas oder man ergab sich in sein Schicksal – so ist die Welt meines Vaters. Trübsal blasen und sich runter ziehen lassen von Dingen ist nicht sein Ding. Nun ja offiziell jeden Falls. Inoffiziell wird er recht grumelig und stur wenn etwas nicht nach seiner Meinung geht.

Mein Fazit ist also, dass ich in meiner Kindheit und Jugend so geprägt worden bin, dass man nur körperlich Krank wird. Das es einem nur dann wirklich schlecht geht und der Rest nicht ganz zählt.
Erst die letzten 4 Jahre meines Lebens wird solche Arten von Krankheit thematisiert. Das ist einfach nicht lang genug, als das ich mein Denken mit umgestellt hätte. Trotz meiner Erfahrungen und meines Wissens. Es ist noch nicht verankert. Und genau deshalb habe ich mich heute selber überrascht mit meiner eigenen Aussage. Man arbeit ja ständig an sich, nicht wahr? 😉

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3 Gedanken zu “Körperlich vs Psychisch Krankheit

  1. Hallo liebe Jen,
    deine Probleme mit der Wahrnehmung von körperlichen und seelischen Krankheiten verstehe ich. Dass konnte ich auch lange nicht verstehen. Doch ich habe eine andere Erklärung dafür. Warum man sich mit einer Erkältung krank fühlt und mit einer chronischen Depression nicht, liegt an einer anderen Sache. An der chronischen Krankheit. Ich kenne auch Freunde, die chronisch körperlich krank sind, MS, Epilepsie oder Diabetis Typ 1. Nun die sehen sich auch nicht als krank an. Das liegt einfach daran, weil eine chronische Erkrankung immer besteht, man ist immer krank. Das hat dann leider immer was von ich atme immer, ich schlafe immer. Man ist halt krank. Immer. Ist es da wichtig es zu betonen? Ich betone es nicht. Ja ich bin chronisch krank. Ich sage lieber beeinträchtigt. Eventuell seelisch behindert. Ich kenne keine Person, die eine chronische Krankheit hat, die oft erwähnt, dass sie krank ist . Warum auch, denn das ist ja Status Quo.
    Herzlichst Alice

    • Liebe Alice,
      So habe ich das noch gar nicht betrachtet! Eine sehr gute Begründung an die ich gar nicht gedacht habe.
      Meinen Vater würde sich mit seiner Diabetes sicher auch als gesund wahrnehmen – ist ja schon seit Jahren Status quo.

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