Während meiner depressiven Episoden spielte mein Bett die Hauptrolle in meinem Leben, denn ich lag die meisten Stunden des Tages in eben diesem.
Warum wird sich der ein oder andere fragen, habe ich mich auch. Warum wurde das Bett zu dem magischen Ort der Zuflucht? Warum konnte ich nichts anders mehr machen als im Bett liegen, schlafen, essen und aufs Klo gehen. Fertig, das war ein Tag in meiner depressiven Episode, jedenfalls nach dem ich krank geschrieben wurde.

Als Mensch mit Depressionen ist das Bett der Zufluchtsort schlechthin, auch wenn einige auf das Sofa ausweichen (was ich aber auf Grund der kleinen Couch die ich hatte nie gemacht habe). Mein Körper hat in diesen Zeiten kaum Kraft mehr etwas zu machen. Alles ist sehr anstrengend – aufstehen und gehen sind unglaubliche Kraftakte die man nicht oft leisten kann. In meinem Fall war es oft so, dass ich die Kraft erst dann aufbringen konnte, wenn mein Körper wirklich danach geschrien hat, weil ich Essen musste oder auf die Toilette.
Es fehlte mir also sehr oft die Kraft das Bett zu verlassen. Was allerdings nicht bedeutet, dass ich zur Erholung oder Entspannung im Bett gelegen habe. Das pure Sein war mehr als das was ich zu dieser Zeit noch leisten konnte. Hin und wieder konnte ich das Handy bedienen, aber sehr oft schlief ich mitten am Tag einfach wieder ein. Aber auch erst dann, wenn ich vor Erschöpfung nicht anders konnte. Ich bin also erschöpft gewesen vom nichts tun. Kennt vermutlich der ein oder andere für einen oder zwei Tagen, allerdings hält sich der Zustand bei Depressionen über Wochen oder sogar Monate. Diese Zeit des im Bett verfeilen, nichts tun außer zu denken, diese Zeit nenne ich selber oft „das Loch“.
Denn genauso fühlt man sich. Wie in einem Meilen weitem tiefen Loch, aus dem es kein entkommen gibt – denkt man zu mindestens. Das ist natürlich quatsch, aber wenn man in dieser Situation ist fühlt man es nicht anders. Die Gedanken sind voll von Zweifeln, Qualen und Selbstbeschuldigungen. Ich habe angefangen mich für diese „Faulheit“ fertig zu machen. Das sei ja nicht „normal“. Ich schämte mich für dieses Verhalten und dafür das ich deshalb Freunden und Familien absagte. Aber wie hätte ich es sonst schaffen soll mich selber fertig zu machen, rum zu liegen und die Welt um mich herum auszusperren? Genau das wäre mit einem sozialen Leben nicht möglich gewesen. Deshalb habe ich das gleich mal gelassen – wird ja sonst nur noch anstrengender!

Wie man sich gut vorstellen kann, war darauf hin das Aufräumen und Sauber halten meiner Umgebung nicht mit Priorität verbunden. Allerdings habe ich schon mehrfach über die Vermüllung meines Lebens in dieser Zeit geschrieben und möchte an dieser Stelle nicht wieder darauf herumreiten.

Heute habe ich diese Phasen auch immer noch.
Allerdings kann ich mittlerweile besser damit umgehen. So kann ich zum Beispiel fühlen wann diese Phasen wieder auftreten, denn meistens sind sie ein Zeichen für Überforderung und einfach zu viel Anforderungen sei es aus dem privaten, geschäftlichem, beruflichen oder körperlichem. Am schlimmsten wird es, wenn ich einige Termine mit Freunden, Arzttermine und Termine mit körperlicher Aktivität innerhalb von 5 Tagen habe. Dann bin ich meistens fix und alle und auch irgendwie leer und brauche einen Tag oder auch mal zwei Tage „Urlaub“.
Urlaub bedeutet dann nicht, dass ich weg fahre und die Seele baumeln lasse am Meer. Es bedeutet, dass ich meine Termine verschiebe, Absage oder einfach ausfallen lasse. Den Wecker ausstelle und so lange schlafe bis ich von alleine wieder wach werde. Sport oder andere Arten von Bewegung lege ich flach. Ich verbringe den größten Teil dieses Tages in meinem Bett. Allerdings und das ist der große Unterschied : Ich stehe auf. Mache eine Sache, welche ich machen muss. Das kann duschen, putzen, kochen oder lesen sein. Hauptsache ich mache etwas mehr als im Bett liegen. Ich will mich ja schließlich erholen und nicht in meiner Depression versinken.
Einen Tag nehme ich also Urlaub, gebe mich ein wenig meiner Depression hin und am nächsten Tag nehme ich mir wieder mehr vor oder hole einen Termin oder eine Verabredung nach. Dieser eine Tag ist nicht festgelegt. Manchmal brauche ich ihn einmal die Woche, manchmal einmal in zwei Wochen. Schön wäre es, wenn dieser Tag sich dann irgendwann auf einmal im Monat einpendelt.
Wichtig ist: An den anderen Tagen schone ich mich auch und suche gezielt nach Entspannung. Ich probiere jeden Tag das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung zu finden – wie man das eben so macht am Tag. Die meisten Menschen unterbewusst, aber ihr tut das! 😛
Und nein ich nehme diesen „Urlaubstag“ nicht als ein scheitern der Woche an. Ich sehe es eher so, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn die Welt einem zu viel wird – jedenfalls wenn man (ich) noch krank ist. Der Plan ist diese Tage weniger werden zu lassen und dafür etwas „erfolgreicher“ an den anderen Tagen zu werden.

Zur Zeit bin ich erkältet… das wirft mich ganz schön zurück in dieser Planung. Allerdings zähle ich das nicht bzw lasse mich davon nicht runter ziehen. Was machen die anderen Menschen, wenn sie erkältet sind? Richtig krank sein, im Bett liegen und gesund werden und genau das darf ich auch, denn nun bin ich auch noch körperlich krank.

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