Schwarz – Weiß

Triggerwarnung: Suizid






 

Seit ich offen damit umgehe an Depressionen erkrankt zu sein, habe ich schon einige Menschen in meiner Situation kennengelernt. Sei es das sich mir jemand privat anvertraut hat oder das ich sie in der Klinik kennengelernt habe. Ich kenne um die 15 Menschen mit denen ich regelmäßig Kontakt habe und die alle eine Erkrankung der Psyche in irgendeiner Art und Weise haben. Es sind viele Wunderbare Menschen, der eine mehr, der andere weniger krank. Ein paar haben sich schon wieder so gut erholt, dass man heute nicht mehr denkt, dass sie mal Depressionen hatten. Die meisten sind aber noch mittendrin, besser gesagt auf dem Wege der Besserung.

Seit ich offenen mit meiner Erkrankung umgehe, bemerke ich erst wie viele Menschen es ähnlich geht. Fast alle meine Freunde und Bekannte haben die ein oder andere Erfahrung damit gemacht, auch in meiner Familie gibt es bereits solche Erfahrungen. Das schlimme daran ist nicht die Tatsache, dass ich so viele Menschen kenne die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, sondern die Tatsache: Physische Erkrankungen werden nach wie vor von der Gesellschaft nicht ernst genug genommen!!
Das zeigt auch der Suizid eines Frontmanns in der letzten Woche. Er wurde von einem Kollege als feige und selbstsüchtig bezeichnet. Viele Menschen reden auch davon das er „den Kampf verloren hat [gegen die Depression]“ oder das er „aufgegeben hat“. Diese Aussagen machen mich traurig und sehr sauer. Sich selber das Leben zu nehmen hat nichts mit feige, selbstsüchtig oder aufgeben zu tun! Mit einer chronischen Depression, also einer die jahrelang besteht, ist das Leben eher ein auf und ab, Nur das die Tiefs sehr tief sind, der Schmerz scheint endlos und das eigene Denken richtet sich oftmals gegen sich selber und seinem Verhalten. Das zu ertragen ist wirklich schwer! Die meisten Menschen welche sich umbringen kämpfen bereits jahrelang mit ihren Suizidgedanken – aber sie kommen oft (viel zu oft) wieder. Das kostet unglaublich viel Kraft – die man irgendwann dann nicht mehr hat. Dann hilft auch das „perfektes“ Leben nicht mehr.

Natürlich möchte ich Suizid hier nicht schön reden oder gar befürworten! Aber die Begriffe welche mit Suizid in Verbindungen gebracht werden, finde ich einfach nicht richtig. Deshalb meine kleine, versuchsweise Erklärung für Suizid.
Seine Depression in einer Therapie zu behandeln ist ebenfalls sehr kraftraubend und anstrengend. Man setzt sich mit sich und seinen Selbst auseinander. Wie man ist, wie man so wurde, wie man so handelt und warum man so handelt. Das alles ist sehr hilfreich und lehrt sich viele Sachen über einen selbst. Aber letztendlich ist man nie vor einer Krise sicher, wenn man chronisch krank ist. Das ist bei jeder Erkrankung so. Allerdings bei Depressionen schwerer zu verstehen, da man es nicht sieht. Nur der betroffene fühlt es und meistens sind diese Menschen gut Schauspieler. Ich war auch eine gute Schauspielerin – bis ich es nicht mehr ausgehalten habe. Aber darum sollte es in diesem Beitrag nicht nur gehen – aber es musste raus.

Eigentlich wollte ich darüber schreiben, was mir bei meinen Freunden und Bekannten aufgefallen ist. Sie sind nicht alle ein klassischer Typ Mensch, der Depressionen bekommt. Schubladen denken finde ich sowieso nie hilfreich. Alle sind unterschiedlich und es sind auch nicht alle meiner Freunde und meiner Bekannten sehr sensibel. Sie wurden auch nie alle aus den selben Gründen depressiv. Aber dennoch ist mir eine Gemeinsamkeit aufgefallen.
Sie denken alle auf eine ähnlich radikale Weise. Für sie gibt es sehr oft nur schwarz und weiß. Keine Abstufungen. Entweder ist etwas gut oder es ist schlecht. Es gibt auch nur gute oder schlechte Tage. Keine grauen Tage – also so semi gute Tage. Diese Art des Denkens ist ziemlich schädlich. Es teilt die Welt auf, es gibt nur noch schlecht und gut. Was dazu führt, dass die Erwartungen an das Leben hoch sind – zu hoch. Das Leben soll gut und erfüllt sein. Das Wort „Glück“ wird zu einem Ziel, welches unbedingt erreicht werden muss – wird es nicht erreicht, fühlt man sich nicht jeden Tag 100% glücklich, dann hat man versagt.  Wenn man versagt hat, dann wird man auch nicht mehr glücklich. Die Spirale der Depression beginnt wieder oder wird ausgelöst.
Um ehrlich zu sein: Ich habe einige Zeit (mitten in der Krise) auch so gedacht. Nun arbeite ich daran, dass dieses Denken der Vergangenheit angehört. Den diese Art des Denkens hilft einem nicht – nie in keiner Situation. Wir leben in einer grauen Welt. Das zeigt schon das Gesetzt. Mord ist verboten und schlecht, also schwarz. Jemand aber aus Notwehr zu töten, ist nicht verboten, zwar immer noch nicht gut und genau deshalb ist es grau. Einen anderen Menschen leben zu lassen, ihn nicht zu bedrohen, dass ist gut und somit weiß.

Abschließend: Es gibt einen anderen Weg als sich selber das Leben zu nehmen. Auch wenn dieser Weg nicht einfach wird, dein Leben ist kostbar. Menschen lieben dich. Du hast eine Leidenschaft. Bleib da ❤

https://www.frnd.de/suizid/

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