Die Schuld Frage

Gestern habe ich mich mit einer Kollegin unterhalten. Wir kamen auf das Thema Schuld und das jemand den wir kennen den anderen Menschen immer die Schuld gibt anstatt tiefer zu gehen und auch mal sein eigenes Verhalten zu reflektieren.
Das hat mich dazu gebracht über Schuld zu schreiben. Oder halt: Warum ging es mir so schlecht? Natürlich kann ich an dieser Stelle sagen: Auf der Arbeit war alles Mist und deswegen ging es mir scheiße. Aber dem ist nicht ganz so. Natürlich war die Arbeit im letzten Jahr noch anstrengender für mich und ja es lag auch an meiner damaligen Chefin und einigen interessanten Regeln, doch das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte.

Meine Arbeit ist stressig, aber machbar.
Ich habe viele Baustellen, die mir die Arbeit dann aber erschwert haben und irgendwann ging dann gar nichts mehr.
Ich bin sensibel, was ein Fluch und ein Segen zugleich ist. Es ist gut, denn so achtet man auf sein Umfeld und darauf wie man mit anderen spricht. Gerade in der Arbeit mit Kindern ist das gut. Allerdings habe ich meine sensible Seite etwas unkontrolliert walten lassen, was dann dazu führte, dass ich alles persönlich genommen habe und mich so gut wie alles hat mich direkt in mein Herz getroffen. Das kannst du nicht lange aushalten. Natürlich macht es dann nicht besser wenn die Kommunikation nicht ganz stimmt (sowohl auf der Arbeit als auch in der Familie).
Ich habe ein nicht sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Ein wenig habe ich, aber das ist ausbaufähig. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit. In der Grundschule wurde ich gemobbt, zuhause wurde ich mit meinen Sorgen und Ängsten nicht wirklich ernst genommen in der Pubertät (ist doch alles nicht so schlimm). Das führte vermutlich auch dazu, das ich sensibel bin. Geht fast schon Hand in Hand miteinander. Ohne ein angemessenes Selbstbewusstsein stellt man in der Arbeitswelt keine Ansprüche, keine Forderung und dann geht man unter. Ich habe immer sehr gekämpft mit mir wenn ich etwas sagen wollte und leider wurde ich immer wieder überhört. Sehr schade und am Ende auch der Auslöser für meine Ängste wieder die Arbeit aufzunehmen.
Durch das geringere Selbstbewusstsein habe ich auch schon länger das Problem Nein zu sagen. Selbstschutz war so gut wie nicht vorhanden. Was dazu führte, dass ich mich leicht selber überfordert habe. Jede Aufgabe die an mich herangetragen wurde habe ich angenommen – ohne darauf zu achten ob ich es schaffe oder nicht. Das führte zu einer generellen Überforderung meinerseits. Auch da kann ich niemand die „Schuld“ geben, außer mir selber.

Zu all dem kam dann auch noch, dass ich meine erste eigene Wohnung hatte zu dieser Zeit. Ich musste mich also privat und beruflich umstellen und habe das nicht geschafft. Der eigene Haushalt zu einer neuen Arbeit, dass war einfach zu viel auf einmal. So wurde aus dem ersten richtigen Job und der ersten eigenen Wohnung ein kleiner, persönlicher Albtraum.
Nun habe ich allerdings einige Dinge über mich selber gelernt, die mir helfen in Zukunft stabil zu bleiben und ein weit gehend normales Leben. Was aber nicht bedeuten soll, dass die Arbeitsbedingungen vor einigen Monaten nicht schlimm waren, aber es war eben der Tropfen der das Fass zum überlaufen gebracht hat.

Was ich über mich gelernt habe:

  • Ich brauche meinen Rhythmus, einen strukturierten Tagesablauf, der nur minimal abweicht. Ungefähr selber Zeit zum Schlafen, Essen und Arbeiten.
  • Ich brauche Ruhe. Mein Bedürfnis nach Ruhe ist eben etwas größer. Mittagsschlaf oft eine Wahl für mich und wenn das nicht möglich dann doch wenigstens eine halbe Stunde Entspannung.
  • Auf sich selber zu achten, ist nicht selbstsüchtig sondern hilft mir in meinem Leben klar zu kommen. Ein Nein ist nicht besser oder schlechter als ein Ja.
  • Auch ich habe Grenzen und es ist kein Problem diese anderen Menschen mitzuteilen. Lieber nur bis an die Grenze gehen, anstatt permanent darüber hinaus und dann monatelang krank zu sein.
  • Ich brauche für viele Dinge Erinnerungen oder einen Plan. Das fängt bei einfachen Sachen an (zb Zähne putzen) und hört bei großen Sachen auf (zb Arzttermine oder Verabredungen).
  • Auf mich selber zu achten ist besonders dann wichtig, wenn es anfängt mir wieder schlecht zu gehen, denn dann kommt die Spirale wieder besonders in Schwung.
  • Krank sein ist keine Schande, auch wenn es nur eine Erkältung ist.
  • Stress ist temporär und vergeht wieder. Aber sich immer wieder kurz daran zu erinnern und auch das man nein sagen darf, hilft mir besser mit Stress umzugehen.
  • Ich muss mir erlauben, an mich selbst zu glauben. An meine Entscheidungen, an meine Ideen und an mich als Person.
  • Und auch wichtig: Meine Woche zu planen. Die Aufgaben auf der Arbeit, die Treffen mit Freunden, Arzttermine, Haushaltsaufgaben und Beautyzeiten haben meistens feste Tage. Ich muss mich an diese Termine halten.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Dinge eigentlich selbstverständlich sind – sie aber mir vorher niemand gesagt hat. Als würde ein ganz wichtiger Teil meiner Erziehung (sowohl schulisch also elterlich) einfach fehlen.  Oder habe ich es einfach nicht mitbekommen? Keine Ahnung. Auf jeden Fall komisch.
Aber besser man lernt es spät als nie. Ich habe mit einigen, wesentlich älteren Menschen über psychische Erkrankungen gesprochen und auch diese Menschen meinten, dass es besser ist neue Verhaltensweisen überhaupt zu lernen. Obwohl es natürlich einfacher ist neue Verhaltensweisen in jungen Jahren zu erlernen.

Und apropro feste Zeiten… heute ist duschen dran – also auf gehts 😉

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