Wie öfter schon auf dem Blog erwähnt: Depressionen sind behandelbar!
Wichtig ist hier aber noch der Unterschied zwischen behandelbar und heilbar, denn eine chronische Depression ist nicht heilbar. Und hier möchte ich euch einen Überblick über die verschiedenen Methoden geben. Oft werden unterschiedliche Methoden miteinander kombiniert um dem Patienten am besten und effektivsten zu helfen.
Ich selber werde mit zwei Methoden behandelt. Einer Therapie, deren Schwerpunkt aber noch nicht festgelegt ist und Medikamenten. Warum ich den Schwerpunkt der Therapie erwähnen, wird euch beim weiter lesen klar, denn Therapie ist nicht gleich Therapie. Mit einer Depression steht dir nämlich die Tür zur Welt der Therapien sehr weit offen!
Es gibt folgende Formen der Therapie:

  • kognitive Verhaltenstherapie
  • Kombination von psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlung
  • Interpersonelle Psychotherapie
  • nichtinvasive Hirnstimulation
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Schulenübergreifende Psychotherapie

Pharmakologisch-psychotherapeutische Kombinationsbehandlung

Die Therapie einer länger andauernden depressiven Störung sollte sowohl auf biologischer als auch auf psychologisch-kognitiver Ebene erfolgen. Nur so kann das Ergebnis effizient und erfolgreich sein.

Folglich stellt die Therapie eine Kombination aus biologischen und psychotherapeutischen Komponenten dar, um so der rezidivierenden (wiederkehrenden) Natur der affektiven Erkrankungen entgegenzuwirken.

Auch empfiehlt es sich, die Therapie langfristig anzulegen. Neben der Remission (temporäre bzw. dauerhafte Abschwächung der Krankheitssymptome) steht die Verhütung neuer depressiver Episoden im Vordergrund der Behandlung.

Pharmakologisch werden dabei neu entwickelte Antidepressiva eingesetzt, die eine syndromspezifische Indikationsstellung erlauben, z.B.:

  • Noradrenalin-Aufnahmehemmer für Antriebssteigerung
  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bei assoziierter Angstsymptomatik

Entscheidend dabei ist, die Plasmaspiegel-Adaption im Rahmen des therapeutischen Drug Monitorings (TDM, siehe hier D1).

Je nach Entstehungsbedingungen der Depression, ihrem Schweregrad und dem Verlauf werden gemäß der 1. Nationalen S3-Leitlinie für unipolare affektive Störungen und der aktuellen Nationalen S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ vom 16.11.2015 (Langfassung) spezifische Psychotherapie-Programme angewandt.

Kognitive Verhaltenstherapie

Zur dauerhaften Präsenz der depressiven Symptomatik tragen häufig körperliche Inaktivität und der Verlust positiver sozialer Kontakte bei. Negative kognitive Schemata, d. h. automatische Denkgewohnheiten, die die Selbsteinschätzung, die Sicht auf die Umwelt und die Zukunftsperspektiven betreffen, können sich verfestigen. Durch kognitive Verhaltenstherapie besteht die Möglichkeit, das individuelle Denken, Wahrnehmen, Lernen und Erinnern zu modifizieren.

Therapieziel ist es, sich dieser negativen Schemata bewusst zu werden und gleichzeitig die eigene Aufmerksamkeit auf positive Erlebnisse zu lenken. Die Therapie strebt die Förderung zunehmender Aktivitäten an, um so die psychologischen Bedingungen für einen Weg aus der Depression zu schaffen.

Die kognitive Verhaltenstherapie wird in Einzel- und Gruppensitzungen durchgeführt. Dieser psychotherapeutische Ansatz hat sich in vielen Studien als außerordentlich wirksam erwiesen.

Interpersonelle Psychotherapie

Die depressive Symptomatik geht oft mit unzureichender sozialer und zwischenmenschlicher Unterstützung sowie Kommunikationsdefiziten einher. Die Reduzierung dieser Mängel und der Aufbau einer positiven Selbstsicht tragen zum Ausweg aus der Depression bei.

Unser Therapieprogramm wird in Gruppensitzungen durchgeführt und hat sich in zahlreichen Untersuchungen als äußerst erfolgreich erwiesen.

Bei einer geringen Anzahl von Patienten kann die Behandlung in ambulanten Therapiegruppen (Einzel und Gruppe), unter Fortführung der Antidepressiva-Therapie, fortgesetzt werden (parallel zur Versorgung durch den niedergelassenen Arzt).

Nichtinvasive (sanfte) Hirnstimulationsverfahren

Die TMS stellt eine wichtige therapeutische Entwicklung mit einem neuen Wirkprinzip dar. Sie beruht auf der schonenden Stimulation des Gehirns mit einer Magnetspule, die von außen an den Kopf gehalten wird. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass es sanft und nebenwirkungsarm ist. Im Gegensatz zur Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist keine Narkose erforderlich.

Weiterführende Informationen zu TMS-Studien in unserer Klinik

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kann angezeigt sein, wenn sich die aktuellen Beschwerden zu einem guten Teil psychologisch vor dem Hintergrund von Konflikten und problematischen Beziehungen erklären lassen. Das Therapiekonzept ist prinzipiell für verschiedene Diagnosen geeignet (Depression, Ängste oder zum Beispiel Burn-Out).

Im Vorfeld findet eine systematische Diagnostik statt (sogenannte operationalisierte psychodynamische Diagnostik, OPD). Dabei werden unter anderem die Lebensgeschichte und wichtige Beziehungen erfragt, um zu verstehen, wie es zur aktuellen Problematik kommen konnte. Die Psychotherapie zielt darauf ab, dass Patienten selbst ein Verständnis ihrer Konflikte, Beziehungsmuster und Verwundbarkeiten bekommen. Im Laufe der Therapie können so innere Änderungen stattfinden, welche die aktuelle Problematik auflösen bzw. Rückfälle unwahrscheinlicher machen.